Stellen Sie sich vor, Sie kiten auf der perfekten Welle (nur zur Beruhigung: ich kann’s auch nicht). Also, es läuft wunderbar, bis Sie irgendwann das Gefühl bekommen, dass sich die Dinge nicht so entwickeln, wie Sie sich das vorstellen. Ihre Geschwindigkeit und die der Welle wollen nicht so recht zusammenspielen. Und allmählich beschäftigen Sie sich mit dem Gedanken: „Es muss etwas passieren.“ Im Grunde haben Sie jetzt zwei Möglichkeiten: aufgeben oder weitermachen, es irgendwie hinbekommen oder fallen.

Was passiert jetzt in Ihnen? Schauen wir einmal in Zeitlupe hin. Es entwickelt sich ein irgendwie mulmiges Gefühl in Ihnen und sagt Ihnen, dass der Soll – Ist – Abgleich unbefriedigend ist. Wie reagieren Sie? Eine Möglichkeit wäre der Gedanke: „Ich muss mich mehr konzentrieren!“ Oder „Ich muss mehr auf den Wind achten.“ Oder „Vielleicht hätte ich doch besser früher ins Bett gehen sollen.“ Kurz: Sie suchen das Problem bei sich. Eine andere Möglichkeit wäre, sich zu sagen Die Ausrüstung tut nicht.“ Oder „Der Wetterbericht war verkehrt.“ Sie suchen die Schuld bei anderen.

Die meisten Menschen begegnen eine solchen Situation mit vermehrter Anstrengung. “Das wäre ja gelacht, wenn ich das nicht hinkriegen würde.“ Man bemüht sich, sich wieder zu fokussieren. Die wichtige Frage hier ist: Worauf? Auf das Handeln oder auf das Problem? Das Problem an der Problemfokussierung ist, dass wir unsere Aufmerksamkeit für die schwachen Signale verlieren. Hinterher, wenn wir dann im Wasser liegen, wird uns klar: „Das musste ja so kommen.“ In der Situation selbst sind wir so mit dem Problem beschäftigt, dass wir viele Einflussfaktoren gar nicht mehr wahrnehmen (wollen) und unser Ziel hartnäckig weiterverfolgen, auch wenn sinnlos ist.

Die entscheidende Frage ist: Woran kann ich erkennen, dass die Kosten des „Weiter so“ höher sind als die Kosten des Aufgebens? Vordergründig ist die Antwort ganz einfach: Was habe ich bis jetzt investiert und wie hoch ist die Gefahr des Totalverlustes. Heerscharen von Versicherungsmathematikern beschäftigen sich mit so etwas. Abgesehen davon, dass man sich auf dem Wasser eher weniger mit Kosten-Nutzen-Rechnungen beschäftigt, gibt es noch ein Problem hinter dem Problem: Wie reagiere ich auf die Bedrohung meiner Selbstwirksamkeit? Denn einfach nicht weitermachen ist auch keine Lösung: Was sollen denn die Anderen denken, wenn ich einfach so aufgebe?

Mit genau dieser Frage werden wir uns dann im zweiten Teil des Blogs beschäftigen…

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