„In jeder krisenhaften Situation, ja in jedem Trauma, steckt das Potential für Wachstum – wie bei einem Sandkorn, das in der Auster zu einer Perle heranreift.“

Wir haben seit über einem Jahr eine ganz besondere Situation. Eine Situation, die dieses Mal die ganze Welt betrifft, uneingeschränkt!

Am Freitag hatte ich Mastertreffen mit meinen systemischen Kollegen aus Wiesloch. In einer kleinen Break Out Session kam der Begriff „der sekundäre Corona-Nutzen“ zum Vorschein.

Was dem voraus ging, war meine Erzählung aus den Vorteilen der Corona-Einschränkungen. Im Leben nicht hätte ich mich so schnell auf virtuelle Formate eingelassen! Vor 5 Jahren wurde auf dem Daimler Trainer Treffen bereits vorgewarnt, dass die Zukunft in der Weiterbildung nicht nur Präsenz sein kann. Die Digitalisierung fordert auch von unserem Berufsstand, Teile unseres Angebots zu erneuern! Es sind sogar neue Themen entstanden. Formate, die für Arbeitnehmer leichter zu handeln sind. Digitale Seminare, die einen gewissen Raum an Distanz ermöglichen. Das Einbetten in den Arbeitsalltag wird leichter.

Die Dokumentationen werden durchweg professioneller. Besonders beeindruckt bin ich von der Lernkurve unserer Teilnehmer. Letzte Woche konnten wir im Live-Online-Seminar mit den Teilnehmern mit neuen Tools experimentieren. Ja, es entsteht ein Zusatznutzen: der Teilnehmer bekommt zu den Inhalten des Seminars jedes Mal eine Schulung für virtuelles Arbeiten.

Ich bin mir sicher, dass wir zukünftig flexibler agieren können, dies haben wir jetzt ein Jahr lang lernen dürfen! Diese Kompetenz wurde gestärkt! Die Scheu vor der Kamera zu sprechen nimmt ab. Die Zeit, die wir mit der Familie im privaten Reich verbringen, hat definitiv zugenommen. Ich kann sehr kurzfristig für meine Kinder ansprechbar sein. Das löst den Stress.

Ein weiterer Zusatznutzen ist der bewusste Einbau von Bewegungseinheiten. In Seminaren schaffen wir es, mindestens einmal pro Seminartag einen walk & talk im Freien einzubauen. Die Teilnehmer tauschen ihre Handynummern aus und gehen dann an die frische Luft. Teilnehmer berichten mir, dass sie das auch mit ihren Mitarbeitern eingeführt haben.

Der Blick aus dem Fenster sagt mir: die Natur erholt sich nach und nach. Die komplette Reduktion von Flügen und Kreuzfahrten war bitter nötig! Für die Klimasituation ist Corona ein Segen! Wenn wir es noch schaffen, die Verpackungen und den Müll zu reduzieren, werden wir in ein paar Jahren sagen: Dank Corona haben wir noch die Kurve gekriegt.

Wir sind angehalten, Rücksicht zu nehmen! Unsere Gesundheit geht uns alle an. Ich habe immer noch Hoffnung, dass eine Bewusstseinsveränderung stattfindet. Dass wir in Zukunft, wenn wir krank sind, zuhause bleiben und nicht die ganze Belegschaft anstecken (in der Vergangenheit gab es immer Grippewellen und einen größeren Ausfall in den Betrieben….). Der Körper dankt es uns auch, wenn wir ihm Genesungszeit gönnen.

Erlauben Sie sich auch, aus der Opferrolle rauszugehen und für sich zu prüfen, was ist das Gute an der Situation? Sie werden sicherlich Punkte finden, die Ihnen verborgen bleiben, wenn Sie sich den Blick auf das Gute verwehren. Ich möchte noch eine Passage aus einem anderen Blog von Kevin Comploi zitieren:

„Es ist meine Entscheidung, wie ich die Situation bewerte.

Wofür ich wirklich sehr dankbar bin, ist der Zeitwohlstand, den mir Corona geschenkt hat. Ich habe so viele Bücher gelesen, wie schon lange nicht mehr! Unter anderem The Choice von Dr. Edith Eva Eger (auf Deutsch: Ich bin hier, und alles ist jetzt: Warum wir uns jederzeit für die Freiheit entscheiden können).

Dr. Eger ist Holocaust-Überlebende und seit vielen Jahrzehnten als Psychologin tätig. Ähnlich wie Viktor Frankl schildert sie ihren Überlebenskampf in Auschwitz und was ihr die Kraft geschenkt hat, am Leben zu bleiben und mit dem Trauma nach der Befreiung umzugehen.

Die Essenz lautet: Ich bin hier. Das ist das Jetzt. Ich habe jetzt und hier die Möglichkeit eine Entscheidung zu treffen: das anzunehmen, was passiert ist, wie ich es bewerte und was ich daraus mache. Und wenn ich mich entscheide, anderen die Schuld zu geben oder mir selbst, dann ist dies ebenfalls meine Entscheidung, ein Opfer der Umstände zu sein.“

Seien Sie hier! Im Hier und Jetzt! Machen Sie das Beste draus und scheuen Sie sich nicht, einen Sparringspartner zu suchen, der mit Ihnen auf den Nutzen schaut!

Beste Grüße, bleiben Sie gesund und zuversichtlich! Ihre Ulrike Mas

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