Viele Pläne haben wir gemacht zu Beginn unserer langen Wanderung nach Sizilien. Und nun passen wir diese an das echte Wanderleben an.

Wir schicken in Südtirol warme Sachen zurück nach Hause und gehen das Risiko ein, dass es auf den Bergen des Gardasees nicht mehr bitter kalt werden wird. So werfen wir unnötigen Ballast ab.

Wir stellen an heißen Tagen unseren Tagesrhythmus um und beginnen unsere Wanderung schon morgens um 5:00 Uhr, da wir ansonsten mit der großen Hitze nicht klarkommen. Dies ist zunächst eine große Überwindung, dadurch wird jedoch das Wandern um so viel leichter und es ist wunderbar, schon um 11:00 Uhr die Tagesleistung vollbracht zu haben.

Auch einige unserer Befürchtungen treffen so nicht ein. Wir erwarteten langweilige und mühsame Strecken in der Po-Ebene, geplagt von Hitze und Stechmücken. Tatsächlich waren die Wege ganz in Ordnung, es gab keine Stechmücken und auch mit der Hitze kamen wir ganz gut klar. Jedoch war das große Problem, dass wir keine Pausenplätze fanden und so 15-20 Kilometer ohne Sitzpause gehen mussten. Eine Belastung, die wir vorher weder so erwartet, noch bisher kennen gelernt hatten. Wir schätzen nun Sitzbänke oder auch nur einfache Mäuerchen im Schatten weit mehr als bisher.

Und immer wieder finden wir die Wege nicht, die unsere Wander-App für uns geplant hat. Die Wege sind zugewachsen, versperrt oder existieren überhaupt nicht. Hier müssen wir improvisieren, Umwege laufen oder uns durch hohes Gras oder Unterholz kämpfen.

Eine ganz besonders tragische Planänderung war es, als wir unsere Tour wegen eines Todesfalls für eine Woche unterbrechen mussten. Ein vollkommen unvorhersehbares Ereignis, das uns natürlich emotional sehr belastete und viel Kraft brauchte. Das merkten wir in den ersten Tagen nach dem Wiedereinstieg deutlich.

Auch unsere Logistikplanung fiel kurzfristig aus und musste neu aufgesetzt werden. Ein Faktor, der nicht nur ärgerlich, sondern auch mühsam war und den wir versuchten, mit möglichst großer Gelassenheit aufzufangen. Und vielleicht ist nun Plan B sogar besser als Plan A.

Diese Änderungen waren zum Teil mühsam, herausfordernd und zuweilen auch ärgerlich. Und dennoch – hatten wir sie gemeinsam gemeistert, waren wir stolz auf unsere Flexibilität, Belastbarkeit und gemeinsame Tatkraft.

In den letzten Wochen wurde uns besonders deutlich, wie wertvoll es ist, achtsam unterwegs zu sein. Achtsam für die sich verändernde Landschaft, achtsam für die Kleinigkeiten am Wegesrand und achtsam für den eigenen Körper. Wenn wir wandern, bewegen wir uns in einem Tempo fort, das eine sorgfältige Wahrnehmung möglich macht. Wir können genau hinschauen, beobachten und auch in einer vermeintlichen langweiligen Landschaft neue Pflanzen oder andere landwirtschaftliche Methoden beobachten. Was konnte ich mich in der Poebene zum Beispiel für die riesigen Tomaten– oder Melonenfelder begeistern.

Immer wieder haben wir unsere Körper stark belastet. Achtsamkeit heißt hier, es zum einen zu registrieren und zum anderen dem Körper dann auch den Schlaf und die notwendigen Pausentage zu gönnen. Auch hilft es dann, bewusst eine kurze und leichte Tour einzuplanen, um eine Regeneration zu ermöglichen.

Der nächste spannende Abschnitt liegt nun vor uns. Nach der Durchquerung der Po-Ebene werden wir im Apennin auf die Via Francigena treffen, einen alten Pilgerweg. Wir sind sehr gespannt, welche Gedanken und Erlebnisse uns hier begleiten werden.

Der Jahrhunderte alte Wanderweg führt nach Rom… und bekanntlich führen ja alle Wege nach Rom.

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